Beim Schreiben kommen die Fragen

 

Auch wenn man bis zum Beginn der Arbeit schon einige Vorgaben und Regeln zum wissenschaftlichen Schreiben einer solchen Arbeit bekommt, so kommen beim Schreiben doch noch einige Fragen auf. Auch mit dem Leitfaden der Fachschule kann man diese nicht immer beantworten.

Wie wir ja schon einmal angemerkt haben, ist es sehr wichtig, ein Ziel vor Augen zu haben um sich nicht zu verrennen.

Es muss klar sein, wo die Arbeit hinführen soll. Doch plötzlich steht man vor der Frage, wie formuliert man die Forschungsfrage und ist die Forschungsfrage etwas anderes als die Einleitung. Haben wir überhaupt eine Forschungsfrage, wenn wir nichts erforschen? Ist es dann nicht viel mehr einfach nur eine Fragestellung? Wo ist eigentlich der Unterschied?

Bei dieser Überlegung bleibt es nicht.

Während dieser Überlegung kommt dann auf einmal die Frage, ob wir tatsächlich auch etwas auswerten. Wir müssen eine Behauptung aufstellen und daraus etwas ableiten, was dem Unternehmen am Ende im günstigsten Fall eine Verbesserung bietet. Reicht es also, nur zu sagen, wir machen dieses oder jenes oder sollte das nicht auch begründet werden, um so zu beweisen, warum unsere Aussage überhaupt Sinn macht?

Und dann das Zitieren. Eigentlich sollte man meinen, dieses Thema ist lang und breit in jedem Fach immer wieder angebracht und erläutert worden, irgendwann kann man es kaum noch hören und denkt sich, dass man es nun langsam sicher weiß.

Auf einmal steht man dann beim Schreiben aber vor dem nächsten Problem. Der Leitfaden ist nicht fundiert genug in seiner Aussage und man sollte nicht vergessen, dass sich die Zeiten geändert haben.

Fast jedes gedruckte Buch bekommt man inzwischen auch als E-Book, was eine tolle Sache ist. Wenn man gerade im Schreibfluss ist und beim Recherchieren im Internet das passende Buch zu dem Thema findet, bracht man nicht auf die Post warten oder das Haus verlassen, um zur Bücherei oder Buchhandlung zu fahren. Man braucht das Schreiben nicht unterbrechen und warten, sondern kann mit zwei Klicks das Buch kaufen und direkt auf den PC oder einen E-Book Reader laden und weiterarbeiten. Dann stellt man aber auf einmal fest, dass ein E-Book in seiner Formatierung nicht immer die Seitenzahlen angibt, sondern nur Positionen im Buch… und jetzt? Wie soll man in der Fußnote nun eine Seitenzahl angeben?

Auch das Kürzen der Texte, von dem wir bereits hier und da schon schrieben, ist ein Punkt, an dem erst einmal viele Fragezeichen im Kopf entstehen:  Was kann ich kürzen? Was brauchen wir tatsächlich? Wieso ist das eine wichtiger als das andere in der Theorie?

Um in diese Fragen einmal ein wenig Klarheit für uns nachfolgende Studenten zu bringen, werden wir in diesem Beitrag versuchen, mit einigen Fragen aufzuräumen und zu schildern, wie wir es gelöst haben oder was uns von unseren Betreuern geraten wurde.

Forschungsfrage oder Fragestellung?

Hier erfordert es einen gesunden Menschenverstand um diese Frage zu beantworten. Am besten beantwortet man sie sich mit Gegenfragen. Habe ich eine Forschungsfrage? Dazu stellt man sich die Frage: Erforsche ich etwas? Müsst Ihr eigene Daten erheben, um heraus zu finden, ob Eure Vorstellung von etwas auch die IST Situation ist, um damit zu beweisen, dass Eure Behauptung stimmt oder nicht, dann erforscht Ihr etwas und habt eine Forschungsfrage.

Wenn alle Daten vorhanden sind, die Ihr braucht, um Eure Behauptung zu belegen, dann habt Ihr nur eine Fragestellung. So haben wir das für uns beantwortet.

Beispiel 1:

Die Zahl der Rückenleiden in Deutschland ist jährlich steigend, wobei auch bekannt ist, dass die Präventionsmaßnahmen in dem Bereich ebenfalls steigen.

Hier werden zwei Komponenten miteinander in Beziehung gesetzt und man kann sich fragen: „Steigt die Zahl der Rückenleiden, weil Präventionsmaßnahmen nicht hinreichend bekannt sind?“. Daraus lässt sich folgende Behauptung aufstellen: „Die Zahl der Rückenleiden ist steigend, da Präventionsmaßnahmen nicht hinreichend bekannt sind!“. Dieses zu belegen könnte Teil einer wissenschaftlichen Arbeit sein. Hier gibt es also eine Forschungsfrage, da es eine Behauptung ist, die es zu beweisen gilt und um dies zu beweisen, müssen Daten erhoben und ausgewertet werden.

Beispiel 2:

Eine Firma (in unserem Fall SomaView) will ein Produkt auf den Markt bringen.

Wir behaupten, dass die Chancen, das Produkt erfolgreich auf dem Markt zu implementieren, mit gutem Marketing steigen.

Erforschen wir unsere Behauptung tatsächlich? NEIN, denn es gibt genug Fachliteratur zu diesem Thema, die das schon belegen. Natürlich müssen wir dazu auch Daten erheben und auswerten, aber keine unbekannten Daten. Wir können vorhandene Daten nutzen und darauf die bekannten Fakten aus der Literatur anwenden.

Somit behaupten wir nicht etwas Unbekanntes.

Bei den Rückenleiden in Beispiel 1, wurden zwei Komponenten in Verbindung gesetzt dessen Verbindung erst belegt werden musste.

In Beispiel 2 ist die Verbindung zwischen einem Produkt und dem Marketing schon belegt, somit haben wir hier keine Forschungsfrage, sondern lediglich eine Fragestellung, die in diesem Fall beispielsweise heißen könnte: „Wie kann ein innovatives Produkt wie BabyAR, erfolgreich auf dem Markt implementiert werden?“

Oder: „Welche Marketingstrategien sind notwendig um ein innovatives Produkt wie BabyAR erfolgreich auf dem Markt zu implementieren?“

Beispiel 1 birgt eine Unbekannte, die erforscht werden muss, also eine Forschungsfrage.

Beispiel 2 hat keine Unbekannte, hier muss nur belegt und beantwortet werden, warum in diesem Fall dies oder jenes, Erfolg verspricht. Also nur eine Fragestellung, die beantwortet wird.

MERKE:

In beiden Fällen wird eine Behauptung aufgestellt, bei einer Forschungsfrage belegt man die Behauptung mit erforschten Ergebnissen, bei der Fragestellung beantwortet man die Behauptung mit bekannten Fakten.

Kürzen der eigenen Texte

Das Kürzen von Texten ist ein zentrales Thema, denn niemand kommt um das Kürzen drumherum.

Zum besseren Verständnis ein Beispiel mit Zahlen von uns, das klar macht, warum jeder, der eine wissenschaftliche Arbeit schreibt, irgendwann kürzen wird (Achtung, Behauptung 😉).

Wir schreiben ein Marketingkonzept, soviel ist bekannt. Vorgabe der Fachschule sind 40 Seiten exkl. Verzeichnisse oder Anhänge. Wir sind vier Personen, der Marketing Mix hat vier politische Maßnahmen. Jeder arbeitet eine Maßnahme aus.

Wir befanden uns im theoretischen Teil, das bedeutete einfach nur die Grundlagen der einzelnen Maßnahmen aus der Literatur vorstellen, die für diese Arbeit wichtig sind. In dem Bereich ist noch kein konkreter Inhalt des Produktes oder der Anwendung einzelner Maßnahmen zu finden.

Wir sagten uns hoch motiviert, wir schreiben erst einmal und kürzen können wir immer noch.

Jeder schrieb seinen Teil. Am Ende hatte jeder ca. fünf Seiten.

Dass heißt 20 Seiten reine Theorie und das war auch nur ein Teil der Theorie, denn es galt noch die Analysen vorzustellen sowie Mittel der Maßnahmen. Die Hälfte unserer Seitenvorgaben war bereits beschrieben .Und jetzt?

Der Theorieteil soll wesentlich kleiner als der Hauptteil sein und er umfasste bei uns noch nicht einmal die ganze Theorie.

Logische Konsequenz hieß: Kürzen! Doch was braucht man nun und was nicht?

Auch hier stehen wir wieder an dem Punkt, wo es wichtig ist, zu wissen, was das Ziel der Arbeit ist, um so zu wissen, was noch folgt und welche Theorie dafür wichtig ist.

Wir fragten unseren Betreuer Herr S. dazu. Seine Aussage war: Wir schreiben kein BWL Buch, also müssen wir auch nicht alle Themen in dem Bereich erklären, dass tut ja schon die Literatur.

Aber was heißt das?

Es bedeutet, dass es reicht, zu erwähnen was es gibt. Zum Beispiel in Form von einer Aufzählung und alles, was wir nicht brauchen, muss auch nicht in der Theorie vertiefend beschrieben werden.

Es ist bei einem innovativen Produkt nicht nötig, zu beschreiben was Produktdiversifikationen oder Produkteliminierungen sind. Einmal erwähnen und dann NUR den Bereich Produktinnovation ausarbeiten.

Genauso wenig ist in der Theorie nicht wichtig, zu erläutern, was bei der Preispolitik Niedrigpreisstrategien oder Ratenkauf ist, wenn unser Produkt gar nicht zu diesen Bedingungen auf den Markt kommt. Dahingegen sollte man die Abschöpfungsstrategie oder beispielsweise Leasing erläutern, wenn dies auf das Produkt zutrifft.

Merke:

In der Theorie nur erläutern und vertiefen, was im Hauptteil auch angewendet wird. Es reicht eine Erwähnung, was es alles gibt, dies muss aber nicht vertieft werden. Ihr könnt einfach schreiben: „Diese Punkte werden nicht weiter erläutert, da sie nicht Teil dieser Arbeit sind.“ Oder „im weiteren Verlauf wird nur auf… eingegangen, weil dies für diese Arbeit elementar ist.“

Von unseren vier Themen hatten zwei eine zentrale Rolle in der Arbeit, die anderen beiden wurden nur kurz erläutert ohne vertiefend darauf einzugehen. So kamen wir dann auf insgesamt fünf Seiten für diesen großen theoretischen Bereich.

Zu guter Letzt das Zitieren und Quellenangaben

Das Thema richtiges Zitieren und Quellenangaben wird wohl ein Thema bleiben, bei dem nach wie vor die meisten Fragen entstehen. Es gibt keine standardisierte Antwort auf dieses Thema.

Es gilt, sich an die Vorgaben der jeweiligen Institution zu halten. Man kann die Quellen in den Fußnoten angeben, direkt im Text oder am Ende ein zusammengefastes Quellenverzeichnis erstellen.

Wie wird die Quelle stilistisch richtig angegeben? Auch hier gibt es keine feste Definition von richtig oder falsch.

Auch wenn wir einen Leitfaden bekommen haben, so war uns nicht wirklich klar, wie es nun richtig ist.

Im Leitfaden steht geschrieben, die Quelle in der Fußnote anzugeben mit Autor, Titel, Seite.

Diese Aussage beantwortete noch lange nicht all unsere Fragen. Wird der komplette Name des Autors inkl. seiner Titel genannt? Was ist, wenn ein Buch mehrere Autoren hat?

Wie geben wir den Titel an? Komplett mit allen Zusatzinformationen? Und was ist, wenn es von dem Titel mehrere Auflagen gibt? Wie gebe ich die Seitenzahlen eines E-Books an, wenn dort nur Positionen im Buch angegeben werden, aber keine konkreten Seitenzahlen, die mit der Printversion übereinstimmen würden?

Schreibe ich „Zitat“ vor die Quellenangabe, wenn ich zitiere oder erübrigt sich das, weil ich bei allem was kein Zitat ist, ja „Vgl.“ vor die Quelle schreibe?

Ihr seht, es ist nicht so einfach.

Für unsere Arbeit an der Fachschule ist es wie folgt geregelt:

> Quellenangaben in die Fußnoten mit fortlaufender Nummerierung.

> Bei Zitaten KEINE Angabe vor der Quelle, bei Vergleichen die Abkürzung Vgl. vor die Quelle.

> Nachname des Autors

> Titel mit Auflage und Jahr

> Seitenzahl.

Bei E-Books ohne Seitenangabe:

Autor, Titel mit Auflage und Jahr, Kapitel-Nr. ggf. Unterkapitel oder Absatznummer, (damit ein Auffinden möglich wird.) Zusatz: (E-Book).

Quellenangaben aus dem Internet sind sehr einfach, da fügt man den kompletten Link ein und dahinter schreibt man das Datum, an dem man es abgerufen hat.

Beispiele:

Print:  Vgl. Wöhe, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 26. Auflage, 2016, Seite 365

E-Book: Spandl, Direktmarketing mit Printmedien, 1. Auflage 2018, Kapitel 1, (E-book-Positionen134-135).

Internet: https://www.bvmed.de/de/technologien/trends/die-digitale-gesundheitswirtschaft-potenziale-fuer-die-medtech-branche/_6-5.-m-health-apps (Abruf: 22.08.2018)

Wenn Ihr unsicher seid, fragt Eure Betreuer, wie sie es haben wollen, diese Beispiele hier gelten nur für Arbeiten an der Fachschule des Klaus-Steilmann-Berufskollege.

 

Hoffentlich hilft dieser Blogbeitrag dem ein oder andern etwas klarer zu sehen und hat einige Fragen beantworten können, so dass bei Eurer Arbeit ein paar weniger Fragen aufkommen und das Arbeiten bei Euch entspannter ist, wobei so eine Arbeit nie entspannt ist😉

Bis dahin viele Grüße

 

 

 

 

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